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IE004 – HowTo: So vermeidest Du die 13 gängigsten Fehler, die Dich Zeit, Geld und Fans kosten!

So vermeidest Du die 13 gängigsten Fehler, die Dich Zeit, Geld und Fans kosten!

Heute zeige ich Dir, wie Du die 13 gängigsten Fehler vermeidest, die fast jeder macht und die Dich Zeit, Geld und Fans kosten. Vermeide diese Fehler und Du und Deine Band kommen schneller voran!

 


Die eigenen Fehler erkennen

 

2012 wollte ich mir einen langjährigen Traum erfüllen.

Ich wollte ein Hip-Hop Produzentenalbum machen, also ein Album mit Beats von mir und Vocals von anderen Künstlern. Ich war furchtbar stolz darauf, dass ich für das Album nicht nur internationale Künstler gewinnen konnte, sondern auch noch Künstler, von denen ich schon lange Fan war und von denen ich mir früher selbst Platten kaufte.

Das Album finanzierte ich über Crowdfunding, was damals noch sehr gut funktionierte.

Obwohl das Pitchvideo richtig schlecht war, funktionierte es und ich bekam das Geld für eine 500er CD Auflage zusammen. Mehr Geld braucht man für eine Veröffentlichung ja nicht, dachte ich.

Ich war damals Teil eines Labelkollektivs, das genau meine Szene als Zielgruppe hatte und dachte, dass das und die Namen meiner Featuregäste der Platte den notwendigen Schub in der Szene gaben, um sie abzuverkaufen.

Wir promoteten die Platte in Form eines Newsletters, der eine Woche vor der Veröffentlichung an alle Medien rausging, die wir zuvor in einer Liste gesammelt hatten.

 

Nachdem die Platte nach dem Crowdfunding so gut wie gar nicht mehr verkauft wurde, drehte ich mit einem Freund zusammen ein hochwertiges Video zu einem Song der Platte, den ich als Single auskoppelte.

Ich dachte, das würde auch den Albumverkauf vorantreiben. Die Single veröffentlichten wir als auf 100 Stück limitierte, rote Vinyl. Davon habe ich trotz erneutem Crowdfunding heute noch mehrere Exemplare im Schrank.

Ich war extrem frustriert. Ein halbes Jahr später versuchte ich, die Platte nochmal an Blogs zu schicken, diesmal nicht mehr per Newsletter sondern mit persönlichem Anschreiben, aber die Platte war zu diesem Zeitpunkt bereits “kalt” und selbst für die kleinsten Blogs nicht mehr interessant.

 

Ich habe heute noch 400 Exemplare des Albums im Keller liegen.

 

Im Laufe meiner Zusammenarbeit mit anderen Bands, lernte ich, dass sich manche Fehler wiederholten, aber auch, daß da noch mehr geht :-)

 

Was sind die kritischsten Fehler, mit denen Du zuverlässig dafür sorgen kannst, daß Deine Bemühungen im Sande verlaufen?

 

Keine Live Gigs!

Eine goldene Regel besagt: Spiel Dir den Arsch ab. Spiel immer und überall.

Diese Regel hat nur eine minimale Einschränkung, zu der ich später komme, die aber die Wichtigkeit dieser Regel nicht im geringsten beeinträchtigt.

Als unbekannter Künstler/unbekannte Band sind LiveGigs der erste und wichtigste Weg, neue Fans zu finden.

Deshalb solltest Du spielen. Und zwar oft.

 

Sich unter Wert verkaufen

 

Natürlich soll man immer, überall und auf jeden Fall spielen.

Aber unter der Einschränkung, immer den eigenen Wert im Auge zu behalten. Dies ist eine Gratwanderung, die geschickt und mit Feingefühl gehandhabt werden sollte.

Was passiert, zB, wenn Du immer wieder für Taschengeld die selben regionalen Locations abklapperst?

 

Bei den Leuten entsteht ein Gefühl von “Ach, die spielen ja sowieso alle paar Wochen wieder hier”. Die Zeit, die man dafür verwendet, einmal im Monat in der Stammkneipe zu spielen, investiert man effektiver darin, seinen Radius zu erweitern, mit Band von etwas weiter weg zu connecten und zB. Austauschgigs zu organisieren.

Die eigene Homebase ist extrem wichtig, aber gerade deshalb sollte man wissen, wann man “zuhause” spielt und wann man sich lieber rar macht. Für regionale Gigs sollte man dazu auch einen fairen Preis ansetzen. Wird einem dieser Preis nicht mehr gezahlt, weiss man, dass man zu oft gespielt hat und der Homebase eine Verschnaufpause gönnen sollte.

Generell sollte man auch die Option, auf Hut zu spielen in Betracht ziehen, da wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben, allerdings bei einer Frequenz von maximal zwei bis drei Gigs pro Jahr in der Homebase.

 

Keine Struktur/keine Zielsetzung

Als mein Album aus dem Presswerk kam, hatte ich keinen richtigen Plan, was ich weiter damit erreichen will.

Wenn man nicht weiß wo man hinwill, irrt man nur herum und findet keinen Weg.

 

Kein Releaseplan/kein Promoplan

 

Ich hatte damals das Album und später eine Single einfach gepresst und “veröffentlicht”, ohne einen Promoplan zu haben. Den brauchst Du übrigens selbst dann, wenn Du mit einer Promo Agentur zusammenarbeitest, denn für die ist Dein Plan die Grundlage ihrer Arbeit. Ohne Promoplan kannst Du jede Menge Geld für Promo rauswerfen, die Effektivität bleibt dann jedoch schmal.

Für ein späteres Projekt hatten wir dann einen ordentlichen Promoplan. 3 Singles und ein Album, alles zeitlich genau auf einander abgestimmt. Dazu eine Crowdfunding Kampagne, mehrere Teaservideos und eine Reihe Konzerte, ebenfalls alles zeitlich aufeinander abgestimmt. Dieses fertige Promokonzept gaben wir unserer Promoagentur und die konnte damit arbeiten.

Ohne Promoagentur wäre das ganze – mit Einschränkungen – ebenfalls möglich gewesen, aber mit viel mehr Arbeitsaufwand. Die Agentur bescherte uns eine Videopremiere beim Musikexpress. Aber auch ohne Agentur konnten wir zwei Videos als Premieren bei einerm der größten deutschen Musikblogs platzieren.

Ohne Promoplan wirst Du viel Zeit und Geld für wenig Effekt verpulvern. Mit Promoplan wirst Du auch mit wenig Budget den größtmöglichen Effekt erreichen.

 

Sich nicht in andere hineinversetzen

Mein Album wurde damals über einen unpersönlichen Newsletter promoted. Versetzt Euch mal in die Rolle eines Redakteurs, der einen solchen Newsletter bekommt. Würdet Ihr über mein Album schreiben?

Gute Promoagenturen pflegen jahrelange persönliche Kontakte zu ihren Redakteuren und bekommen somit ihre beworbenen Veröffentlichungen auch unter.

Für DIY Promo is eine nette persönliche Mail essentiell, die es dem Empfänger, egal ob Blogger, Label, Redakteur oder Booker, einfach macht mit wenigen Klicks zu Deiner Musik zu kommen. Mach Deinen Empfänger zu Deinem Freund.

Geh ihm nicht auf den Nerv und verlange vor allem nicht unnötige Klicks und das Runterladen eines Zips um an Deine Musik zu kommen. Du willst was von ihm, nicht umgekehrt. Wenn Deine Mail ihn nervt, öffnet er einfach die nächste.

Mehr hierzu findest Du in Episode 3: Das perfekte EPK.

Mit echter Promoarbeit zu spät gestartet

Nach dem erfolglosen Newsletter probierte ich es ein halbes Jahr später mit persönlichen Mails an Indie Musik Blogs, aber die Rückmeldung war überall die selbe: Das Album ist ja schon draussen. Ich war einfach zu spät dran und mein Album war bereits “kalt” und damit uninteressant.

 

Dringend ganz schnell veröffentlichen wollen/keine Zeit nehmen für gutes Promomaterial

Nachdem mein Album fertig war, wollte ich es natürlich releasen. Ich hatte keine Pressefotos gemacht, keine Pressetexte geschrieben und auch sonst kein Promomaterial gesammelt. Ich hatte nicht mal einen ordentlichen Künstlertext.

Nehmen wir mal an, jemand bekommt eine persönliche Mail und Deine Musik gefällt ihm – er braucht Dein Promomaterial um damit zu arbeiten. Ohne dieses Material muss er sich – falls überhaupt möglich – zu viel selbst aus den Fingern saugen.

Und wieder sind wir beim Thema, sich in andere hineinzuversetzen: macht Dein Release zu viel Mühe und bietet kein gutes Material, wird er auch nicht vorgestellt.

 

Keine guten Singles/nicht genug Singles/halbgare Releases

Ein weiteres Problem das ich hatte: Meine Single war nicht nur zu spät dran, sie funktionierte auch deshalb nicht, weil sie keine zeitlich damit abgestimmten weiteren Singles hatte.

Singles bauen aufeinander auf und auf dem Höhepunkt kommt das Album, auf das im optimalen Fall dann schon alle heiß sind.

Voraussetzungen:

  1. Deine Singlefrequenz macht auf sich aufmerksam und erzeugt Interesse
  2. Deine Singles sind wirklich richtig gut.

Und hier komme ich zu einem Phänomen das ich bei vielen anderen Künstlern immer wieder beobachte:

Es werden zehn Songs geschrieben und recordet, die bilden dann das Album. Die zwei besten werden zur Single.

 

Das Problem ist: Ausschußsongs landen mit auf dem Album und die zwei die am ehesten echte und berechtigte Albumsongs sind, werden zu Singles. Dadurch verschiebt sich die gesamte Qualität eines Releases zum schlechteren.

Der optimalere Weg in meinen Augen wäre: 50 Songs schreiben, die zehn allerbesten werden Albumtracks und die drei (!) Singles werden ganz bewusst als Singles geschrieben und sind die besten Songs die ihr jemals schreiben werdet – bis zu den nächsten Singles.

Wir hatten zB gute Erfolge mit Writingsessions, in denen wir uns zwangen, Songs nach ganz begrenzten Regeln zu schreiben, die nicht zwingend zu unserem Genre passten.

Die Singles haben nur einen Zweck: Leute heiß machen auf Dein Album!

Die erste weckt Aufmerksamkeit, die zweite Interesse und die dritte das Bedürfnis nach Deinem Album. Eine zu schwache Single kann den Prozess unterbrechen und Du verpulverst Drive für Dein Album.

 

Denken, andere müssen zu einem selbst kommen

Auch das erlebe ich leider immer wieder:

Künstler denken, dass irgendein Journalist ein Interesse hätte, sich durch eine kryptisch gestaltete Webseite zu klicken um endlich zur eigenen Musik zu gelangen.

Oder Booker sollen sich trauen die eigene Band auch ohne Pressefotos und -texte zu buchen, damit er erfahren kann wie geil man ist.

Der Gedanke, der andere würde belohnt wenn er investiert, um die eigene Musik kennenzulernen mag einem zwar in den Sinn kommen – schließlich macht man ja die beste Musik der Welt! – aber funktioniert in der echten Welt nicht.

 

Als Band nicht an einem Strang ziehen

Nichts ist ärgerlicher, als richtig viel Zeit und Geld in einen Release zu investieren und der Sängerin fällt auf einmal ein, dass sie zur Festivalzeit lieber selbst in Urlaub fährt und auch auf die geplante Tour eigentlich gar keine Lust mehr hat.

Deshalb ist es sehr wichtig, als Band an einem Strang z ziehen und vorher ganz klar zu kommunizieren, was erwartet wird und was das gemeinsame Ziel ist.

Auch Aufgaben sollten klar verteilt werden. Wenn jeder in einer achtköpfigen Band auf der Facebookseite nach Lust und Laune postet und Nachrichten unterschiedlich beantwortet, stiftet man schnell Verwirrung.

Eine gut aufeinander abgestimmte Band kann mit weniger Budget immer mehr herausholen, denn im schlimmsten Fall kostet Schadensbegrenzung alle anderen mehr Zeit und Geld.

 

Die Luft ist zu früh raus / Faulheit

Beispiel: Stellt Euch vor, Ihr dreht ein superaufwändiges Musikvideo, zig Leute stehen zwei Tage für Euch parat damit alles richtig großartig wird. Im Schnitt stellt Ihr heraus, dass ihr ca. 20 Sekunden VIdeomaterial zu wenig habt. Was tut Ihr?

 

Ihr habt hier zwei Möglichkeiten: Ihr streckt das fehlende Material durch Material das da ist, aber eigentlich keinen Sinn ergibt oder ihr investiert nochmal einen Tag und dreht die zwanzig Sekunden nach, damit es genau so großartig wird wie geplant.

 

Leider fällt hier die Wahl oft auf Variante 1, was zur Folge hat, dass das Video zwar toll ist, aber irgendwas stimmt damit nicht, es ist nicht kongruent in sich. Man sieht wie viel Aufwand darin steckt, aber es passt einfach nicht, dass man ebenso sieht, dass Material aufgefüllt wurde. Das macht ein großartiges Video leider schnell zu einem “eigentlich geil aber hm naja schade” Video.

 

Kritikresistenz

Als Künstler bewegt man sich oft in der eigenen Blase, umgeben von Freunden und Fans, die oft wirklich nicht mehr kritisch gegenüber der eigenen Musik sein können. Umso wichtiger ist es, nach außen ein offenes Ohr für Kritik zu haben, denn, auch wenn nicht jeder Kritiker sie immer in schöne Worte packt, sind eine kostenlose Möglichkeit, den nächsten Release massiv zu verbessern.

 

Denken man weiß alles schon

Der schlimmste aller Fehler. Sicherster Weg zur Stagnation. Wer alles schon weiß, lernt nichts mehr. weder aus eigenen Fehlern, noch von anderen.

 

Comments 1

  1. Danke für die frische Sicht auf viele Dinge. Momentan habe ich auch Mal wieder das Problem, dass die Zielsetzungen in der Band sehr weit auseinander driften. Ich hoffe wir finden da einen Weg.

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